1. Castle Rock Open Air, Mülheim, 1. Juli 2000
Mülheimer Burgfest!

Jou, es hat am Wochenende mal wieder so richtig gepoltert und die Jungs und ich wurden endlich und höchstverdient wieder in die Welt anständiger Auftritte zurückgeholt. Ich denke, wichtiger ist seit verdammt langer Zeit kein Konzert mehr gewesen und das gleich aus verschiedenen Gründen.
Zunächt einmal waren die vergangenen drei Auftritte von Tale alles so Drahtseilaktionen zwischen einem mittelguten Gig und dem totalen Bühnenfiasko. Unser Aufspielen beim
Rü-Fest oder das RWE-Konzert waren halt in vieler Hinsicht nicht ganz so unbedingt am Optimum dessen, was wir in der Lage sind zu liefern, und verbunden mit einigen mehr oder minder wichtigen Katastrophen in Sachen Organisationstalent unser jeweiligen Veranstalter - kurzum - die Zeit war reif für ein echtes Tale-Konzert!
Dazu sollte das Festival dann auch noch im Innenhof des altehrwürdigen Schloss Broich in Mülheim stattfinden, einem Ort, an dem ich vor fast acht Jahren bereits mit unserem lieben Schlagzeugfreund Reinhold "Ryan O´Tale" Hessling stand und über die nachhaltig totale Schweinemördergigageilheit eines etwaig einmal dort stattfindenden Tale-Konzert lamentierte - hach wie wär datt schön!
Als wäre dies noch nicht Grund genug, so mutierte das 1. Castle Rock Open Air unseres alten Freundes und Bandpropheten Michael "Bohammed" Bohnes bereits im Vorfeld zu einem ganz besonderen Happening, zumal mit den
Dreadful Shadows eine Band verpflichtet worden war, die mir doch eigentlich sehr am Herzen und an den Ohren liegt und nicht zuletzt eine der wenigen Gruppen ist, die ich dann doch ja schon ziemlich oft höre. Der Top-Act des Festivals waren unsere alten Duzfreunde von Fiddlers Green, die ich mit voll gutem Gewissen einem jeden Anhänger von richtig witzigen Independent-Ska-Folk-Konzerten empfehlen kann.
Nun denn, mir war es vergönnt, bereits ab 14.00 Uhr in Mülheim aufzulaufen, nicht zuletzt, da noch einige Abrechnungen hinsichtlich VVK abzufertigen waren, und so hatte ich erst einmal Gelegenheit, mir in aller Ruhe The Hall Of Souls und
Cadra Ash anzuhören, die es allerdings wohl in erster Linie aufgrund der frühen Starzeit und den Hundertscharen Claymore-Fans weiss Gott nicht leicht hatten. Die ehrwürdigen Shadows waren ebenfalls bereits anwesend und so kam ich dann auch nicht darum, meiner geliebten Frau ihre geforderten Autogramme zu besorgen, was irgendwie alles total und nachhaltig scheissekackepeinlich war und mich veranlasste, schnellstmöglich und mit diversen Handtüchern und Tüten auf dem rasierten Schädel die Backstage-Area zu verlassen, um mich irgendwo in der Menge zu verstecken. Um die 1000 Besucher waren bereits versammelt, als endlich meine schwarzsakkigen musikalischen Mitstreiter eintrafen und als dritter Act dann Claymore mit viel Aufwand und noch mehr Bühnenhelfer nicht nur ihre mitgereisten Fanmassen begeisterten. Ja da kommt schon etwas Nostalgie auf, wenn man an unsere gemeinsamen Konzerte vor knapp zehn Jahren in Heiligenhaus zurückdenkt, auch wenn, wie man hier in Mülheim merken konnte, wir eigentlich musikalisch aber auch so rein gar keine Ähnlichkeit miteinander aufwiesen.
Wir nutzten die Claymore-Zeit mit dem Aufbau unseres Merchie-Standes, der zwar letztlich doch sehr gewinnabwerfend war, jedoch das Problem hatte, hinter kilometerlangen Fiddlers-, Shadows- und Instanz-Ständen beinahe der Wahrscheinlichkeit des Übersehens zum Opfer fallen zu müssen. An dieser Stelle möchten wir uns aufrichtig bei Alex Schnelle bedanken, der als Freund von Cornelie ohne Probleme aber mit viel Motivation unsere erkrankten Merchandisereinnen wirklich klasse zu vertreten wußte.
Was folgte war der beeindruckende Gig von
Die Letzte Instanz, mit denen wir zwar im Vorlefd erst einmal etwas - na ja mühsam - warm werden mussten, die aber verteufelt gute Musik lieferten und auf ihren Instrumenten wirklich einiges Geniales leisten konnten. Als die bemalten wie verschwitzten Gestalten die Bühne dann verlassen hatten, war eigentlich klar, dass wir es wirklich nicht gerade leicht haben würden, auf diese "Performance" noch etwas draufzulegen, doch - hey - unsere Fans und das wie immer konzertgeile Mülheimer Publikum haben uns innerhalb von Sekunden von Null auf Hundert gepuscht und selbst geringfügige technische Probleme, was unsere Geigerin Connie anging, konnten nicht verhindern, dass wir über exakt 56 Minuten einen wirklich geiles Konzert erleben konnten.
Das wirklich überraschende bei der ganzen Klamotte war jedoch zum einen die Tatsache, dass wir erstmalig seit über zwei Jahren es hinbekommen hatten, genau die Songs in der gleichen Reihenfolge zu spielen, wie wir sie zuvor auf unserer Setliste aufgelistet hatten - nix ausfallen, nix verschieben, nix rausstreichen!
Schade um all unsere Rituale zur Bezwingung dieses Umstandes, offensichtlich hatte es dann doch nichts mit Aberglauben zu tun. Zum anderen hat es unser geliebter Stagewarrior Hubert vollbracht, die Pyroladungen zur richtigen Zeit zu starten - auch was Geiles!!!

Nun denn - wir erlebten im Anschluss noch ein wunderbares, wenn auch irgendwie - insbesondere eingedenk des Zeche Carl Festspiels vor ein paar Monaten - kurzes Shadows-Konzert und nach ellenlanger Umbaupause noch den wirklich klasse Auftritt von den Fiddlers, der jedoch - na ja nennen wir es mal - leicht verkürzt worden ist - Schade!
Wir danken Michael Bohnes für die Einladung und dem Team von Vollton & Licht für den genialen Bühnensound, vor allem aber den ganzen Massen von Menschen dort vor der Bühne, die uns wieder in das Live-leben zurück geholt haben. Unsere speziellen Grüsse gehen an all die Ex-Taler, die Berliner Silke und Chris, unsere Freunde aus dem Pott, insbesondere natürlich Anja, allen Zerpners dieser Welt, Nico, Nicole, Erwin, Thomas, Carsten, Christian, Frank etcetcetc!