Dark Awakening - KUZ, Mainz
26. Februar 2000 - Fotos folgen!!!
Shadow Dancing
Another Tale is back on the road!

Mit Dirk Neveling, jenem gruftigen 2-Meter-Hünen, der uns in das Mainzer Kulturzentrum - kurz KUZ - eingeladen hatte, hatten wir eigentlich schon so unsere - durchaus positiven - Erfahrungen gemacht.
1996 und 97 hatte der begabte Szene-DJ (meine Generation verdankt ihm unzählige herrliche Abende in der Zeche Bochum) uns zum Dark Awakening nach Remscheid ins Deja Vu geholt, wo wir damals noch mit Igor und Phil und Reinhold und Bob und grossen Ängsten uns vor einem tieftieftiefschwarzen Publikum wiederfanden, welches zuvor über mehrere Stunden sämtliche Spiegel bevölkert hatten, um die doch ganz adretten Gesichter unter einer zentimeterdicken PuderMakeUp-Schicht zu beerdigen und dadurch den so richtig furchteinflössenden Leichen-Teint anzunehmen.
Lediglich der dazugehörige Verwesungsgeruch war damals gnadenvoll ersetzt worden durch eine tränenerregende Smogwolke aus Patchouli.
Wie dem auch sei - beide Konzerte waren extraklasse und der Moment, in dem hundertfuffzig gröhlende Menschen in Pfützen aus herabgeschwitzten Leichen-MakeUps herumhüpften, um mit uns die Biene Maja zu intonieren, gehört bis heute zu den unvergessenen Momenten der Taleschen Geschichte.
Wir waren also voller Vorfreude, als wir gegen Mittag in - hört und staunt!!! - nur drei Wagen das Studio verliessen und uns auf die A3 in Richtung Karnevals-Country schwangen.
Es tut mir leid, Stefan, aber ich muss es leider auch hier kundtun - bereits nach circa einhundertzwanzig Kilometern hatten wir dann auch schon ein neues Bandfoto, als unser Gitarrenheld meine verzweifelten Schreie nach strikter Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit mit einem dusselig dreinschauenden Gesicht beantwortete, auf dessen fotografische Zusendung seitens der Autobahnbehörde "Elzer-Berg" er jetzt mit Angstschweiss wartet.
Na dabei hab ich noch gesacht abba höart ja eh kainer zu!

Nach und nach trafen wir gegen 17.00 Uhr im Mainzer KUZ ein, welches sich gleich in meherer Hinsicht als idealer Veranstaltungsort präsentierte:
Erstens gab es eine verdammt grosse Bühne, die zu allem Überfluß auch noch mit allen Schikanen der Konzertübertragungstechnologie ausgestattet war. Monitorboxen bis die Hupe brummt, Lichtphalanxen, unendliche Aufgebote an Verstärkern und Mischkanälen - ein Paradies für jeden Musiker! Darüberhinaus gab es einen bequemen Backstageraum, Essen, Cola ohne Ende und Bier in unbegrenzten Mengen, gefolgt von Handtüchertürmen und echt angenehmen Leuten. In meiner üblichen Motzmanie war ich also völlig aufgeschmissen und als dann auch noch der Soundcheck innerhalb von einer Stunde erledigt war und noch immer keine ernstzunehmendes Problem aufgetaucht war, musste ich schweren Herzens aufgeben und mich auf ein schönes Konzert freuen.
Nun ja - es ist ja nicht so, dass ich mich an dem - ansonsten einfach umwerfend vorbildlichen - Fahrverhalten Einzelner aufreiben möchte, doch es ist schon erwähnenswert, wie oft wir auf dem vergleichsweise kurzen Weg zu unserer Unterkunft für die Nacht die Theodor Heuß-Brücke und den darunterliegenden Rhein passierten, bevor wir in grenzenloser Vorfreude das Best Western Hotel "Europa" erreichten, denn "Best Western" gepaart mit "Europa" - na, das muss ja wohl was bedeuten!
So jetzt nur mal zum allgemeinen Verständnis: wir haben mit der Band bereits in den übelsten Schuppen genächtigt, Nächte in Autos oder Zelten verbracht, doch irgendwie hat es uns wohl zu sehr beeindruckt, dass die Betreiber des Europa-Hotels für eine reguläre Nacht in einem ihrer Doppelzimmer verfluchte 300,- (in Worten: drei-hundert!!!) Schleifen verlangen - nun okay - weder das KUZ, noch wir mussten diese Preise zahlen, doch der einzelne allein und durchgefroren in Mainz gestrandete Wicht wird halt genötigt, diese Summe zu erbringen.
Heiliges Glöckchen! Wenn das mal nicht ein wenig hochgegriffen ist!
Ron und seine Anja fanden in dem aus Kostengründen nur halb gestrichenen Doppelzimmer einen vergleichsweise üblen Gestank und die Tatsache vor, dass irgendjemand wohl derart viel Hunger gehabt hatte, dass er die äusserst akkurat auf den Kopfkissen plazierten Traubenzuckerbonbons jeweils zur Hälfte ausgepackt und aufgegessen hatte, während Pierre bis jetzt noch nicht verstanden hat, warum es weder in seinem ersten, noch in dem ihm unter eifrigen Entschuldigungen zugeteilten zweiten Einzelzimmer Licht gab. Gut, das Problem wurde schnell dadurch gelöst, dass man ihm einerseits einen Satz Glühbirnen in die Hand drückte, zum anderen jedoch erklärte, er wäre nicht befugt, diese auch anzubringen. Egal - wir hatten unseren Spass und einzig der nicht funktionsfähige Bierautomat stellte einige Mitglieder unserer Truppe auf harte Proben.
Als wir uns schliesslich frisch geduscht, in voller Montur und diversen Hundgrossen Ratten glücklich entkommen gegen 21.00 Uhr in der grossen Halle des KUZ einfanden, wartete bereits zum einen eine gähnende Leere, zum anderen aber ein quirliger Dirk Neveling auf uns, der uns schnell dadurch beruhigt hatte, dass er ganze Hundertschaften von Besuchern ankündigte. Spätestens um Mitternacht, wenn wir fertig und er mit seiner Show gerade begonnen habe, werde es rappelvoll sein, doch - Hey - selbst, wenn wir den ganzen Abend nur für ihn hätten spielen müssen, hätten wir schweinespass gehabt, zumal Bühne, Licht, Saal und Anlage im KUZ einfach überwältigend inspirierend sind.
Doch mit jedem Song, den wir spielten, wurde es voller und am Ende unseres Auftritts, war der Saal nun wirklich zum Bersten gefüllt. Nun ist das ja immer so eine Sache, wenn man in einer fremden Stadt spielt, vor Leuten die man, die aber vor allem uns noch nie gesehen hatten, doch Mainz hat es uns wirklich leicht gemacht, ein wirklich schönes Konzert zu geben. Der Sound war nachhaltig in Ordnung, das Licht mitreissend und wenn natürlich auch nicht jeder Song sofort und spontan bejubelt und mitgegröhlt wurde, so hatten wir doch allesamt das übereinstimmende Gefühl, akzeptiert zu werden, was ja insbesondere dann nicht gerade sicher ist, wenn man wie wir als tiefschwarz, teuflisch, satanisch, hyperdark und ganzdollböse in den regionalen Printmedien angekündigt worden ist.
Insofern hatten einige Besucher mit Sicherheit vereinzelt Probleme mit der Tatsache, dass wir viel zu gut gelaunt waren, um dem erforderlichen Gruftlevel zu entsprechen.
Offensichtlich ging es aber nicht nur uns auf der Bühne so, denn auch davor spielten sich einzigartige Bilder ab. Tanzende Gewänder, rhytmisch geschwungenen Gehstöcke mit Totenkopfknauf (geiles Wort!), eine schwarze schwungvolle Menge. Besonders klasse fand ich den Umstand, dass "Idiot" von allen Seiten mitgesungen wurden, doch Dirk erklärte uns im Anschluss feierlich, dass genau dieser Song rituell das Ende seiner Dark Awakening Parties bildet und hierfür sei ihm von dieser Stelle aus noch einmal nachhaltigst gedankt.
Stundenlang hingen wir im Anschluss an 120 Minuten Tale-Konzert mit in erster Linie wildfremden aber wirklich liebenswerten Menschen im Backstageraum ab, Anja, Susanne und meine Simone verkauften erschreckend viele CD´s und wir alle fühlten uns ganz doll pudelwohl.
Den feierlichen Abschluss des Abends erlebten wir dann noch lauthals im Hotel-Foyer, wo wir uns einen armen alten extra aus Südafrika angereisten Berufsjecken krallten und bis zur Bewusstlosigkeit ablichteten.
Noch einmal sei all denen gedankt, die dieses Konzert ermöglicht, organisiert, durchgeführt, betreut, gemischt, ins rechte Licht gerückt, besucht, gefeiert und bezahlt haben - wir kommen wieder!
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