Saisonabschlussparty, Georg-Melches-Stadion, Essen, 28. Mai 2000
Rot-Weisses Wetter!


Unsere Auftritte beim und zugunsten des RWE (Rot-Weiss Essen) sind ja mittlerweile legendär, bekannt, gefürchtet, berüchtigt, wundersam, einzigartig und das immer wieder - letztlich jedoch sind sie immer mit einigen kleinen Feinheiten behaftet, die insbesondere in Sachen Organisation und Veranstaltungskoordination immer noch diese berühmten wie schmerzhaften Tücken mit sich bringen.
Montag erst erfuhren wir definitiv aber auch rein zufällig, dass wir von der Geschäftsetage des munteren Regionallegisten als künstlerisches Monument die Feierlichkeiten zum Erhalt der Klasse und Saisonende vorgesehen, ja bereits fest eingeplant waren und - na ja - schon irgendwie klar, dass man sich einen Auftritt vor Tausenden RWE-Anhängern und ~innen im leicht baufälligen Stadion zu Essen nicht unbedingt entgehen lassen will. Gut, wir sagten zu, allerdings nicht ohne zuvor eine tränenrührende Gage auszuhandeln und kamen selbst den Spezialwünschen des Organisationsteams des Vereins nach. Okay, es gab da eigentlich nur einen einzigen Wunsch, der jedoch wurde unter Flehen und Nachdruck immer wieder gestellt: Unsere Fidel-Cornelie Zillhardt sollte unbedingt mit und dabei sein. Na ja, wir hätten sie sowieso gefragt und auch wenn Ihr Auftritte, die im Zusammenhang stehen mit dem runden Leder, doch eher nicht so liegen, hätte sie mit Sicherheit ohne mit den Wimpern zu zucken zugestimmt (Hey, 3 x "zu"), das Problem allerdings lag darin, dass sie sich zur geplanten Auftrittszeit gar nicht im Lande befand - gut, im Lande schon, allerdings in einem weeeeeit entfernten Leipzig allein mit einem Auto und dem festen Vorsatz, es bis 17.00 Uhr zu schaffen, zu uns zu stossen.
Egal - ausgestattet mit einem kaum zu erschütternden Optimismus erreichten wir das verregnete Stadion pünktlich um 13.00 Uhr, da man uns später angeblich nicht mehr hineingelassen hätte, kramten unsere Klamotten auf den mittlerweile schon fast nostalgisch wirkenden Bühnenwagen von "Stiftsquelle", redeten über das Wetter (taten alle!) und waren zahlloser guter Dinge, die sich auch durch einen völlig verkackten Soundcheck und die totale wie nachhaltige Abwesenheit sämtlicher flüssiger Nahrungsmittel nicht unterkriegen liess. Der liebe Chris Wehr - seines Zeichens RWE-Stamm-Mischer klagte über dies und das, vor allem aber über das und nach einem ans Herz gehenden 3 zu O - Erfolg "unser" Jungs über den "Erzrivalen" Fortuna Düsseldorf - keine Ahnung warum das immer direkt so ans Eingemachte gehen muss - fingen wir gegen 17.00 Uhr genau in dem Moment an zu spielen, an dem sich der Himmel auftat und irgendein lieber grauhaariger Mann mit Flügeln uns noch einmal eine Erinnerung daran zukommen liess, dass das Problem der Sinflut noch immer aktuell werden könnte. Ungefähr vierzig Kubikliter Regen auf den Quadratzentimeter liessen mich innerhalb weniger Sekundenbruchteile ein gebrauchsfähiges Ganzkörperkondom vermissen, sorgten jedoch dafür, dass wir uns wieder einmal ganz im typisch Taleschen Open-Air-Feeling wiederfanden.
Alles in Allem wurde es ein wirklich sehr schönes Konzert, wenn es auch unterbrochen werden musste und die ellenlange Vorstellung eines jeden einzelnen Spielers, wie auch die Verabschiedung des verehrten Frankie "Curtis" Kurth sich dann doch so lange hinzogen, dass sich währenddessen die Zuschauerzahl mehr als halbierte - letztlich hat es uns allen wirklich Spass gemacht und daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass es immer noch Menschen gibt, die "Heimat" als krasse Provokation ihrer vaterländischen Ehre betrachten. Wäre vielleicht von Vorteil, wenn ich irgendwann einmal über solchen Dingen stünde, jedoch - so leid es mir tut - diese scheissbraunen Schreiereien kann ich immer noch nicht ertragen!
Sorry?
Nö!