Rü-Fest, Essen, 3. Juni 2000
Das Bühnengewitter!


Nönönönö - ich habe keine Lust mehr über Konzerte zu philosophieren, die eigentlich nicht unbedingt das wurden, was sie zu werden versprachen! Zu oft schon schrieb ich in letzter Zeit über verkorkste Technik, Ärger hier, Schimpfen da, das verkniffene Lächeln im Sinne eines immer freundlichen Auftretens - alles Dumpfpaff und darüber hinaus doch irgendwie beängstigend!
Hat uns ein wie auch immer gearteter Fluch getroffen? Sind wir zu ewigen Auftritten auf Partys, Festen und ähnlichen Gelegenheiten verdammt? Müssen wir demnächst rote Plüschjäckchen tragen und Vokuhilamässig nach Tanzbeinen lechzen? Werden wir in der Hölle der U-Bands enden? Für immer?
Mir ist jetzt anlässlich unseres Auftretens beim Essener Rü-Fest, dem Treff für die Neosektschwenkerkultur schlechthin, so einiges bewusst geworden. Es hat keinen Sinn zu verheimlichen, dass uns die Tatsache schon verdammt betroffen macht, dass Fans aus der gesamten Region zu einem Auftritt anreisen, der von vorn herein unter sehr sehr dunklen Wolken stand. Vor gut einem Jahr haben wir ebenfalls auf der legendären Meile für die Würden-So-Gerne-Besserverdienenden aufgespielt und uns gleichzeitig die Mageninnenwände blutig geärgert darüber, dass die Bühne völlig uneinsehbar war und unter meinem Gewicht zu flirren begann, die Technik gerade aus irgendeinem Wohnzimmer geklaut worden war und wir trotzdem uns sehr viel Mühe mit den Vorbereitungen gegeben hatten, neue Stücke eingeprobt und ob der Benefiz-Idee auch auf jegliche Gage verzichtet hatten.
Nun - dieses Mal sollte eigentlich alles gaaaaaanz anders ablaufen, denn der gute Engel der Interessensgemeinschaft Rüttenscheid - kurz und schmerzvoll IGR - Susi Demmer hatte sich wirklich das Rektum geweitet, um für alle Beteiligten auf den verschiedenen Bühnen optimale Bedingungen herauszukitzeln und - jajaja - sie ist ja auch wirklich eine Nette, also haben wir dann doch wieder zugesagt, obgleich uns eigentlich dererlei Boheiauftritte wirklich nicht gerade liegen. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass wir bis über alle Ohren und Augen in der CD-Produktion stecken und deshalb vielleicht etwas zu wenig Konzertversessen sind - Asche auf unsere Häupter!!!
Ich kann mich für den wahrlich grauenvollen Sound nur von ganzem Herzen entschuldigen und muss gleichzeitig unseren Mischer Vanni, seinerseits ebenfalls komplett unschuldig, um so mehr in Schutz nehmen, denn er konnte nun wirklich nichts für eine, wie sich nunmehr herausgestellt hat, komplett falsch verkabelte Anlage und so badeten wir auf und die lieben leute vor der Bühne in einem einzigen nicht enden wollenden Soundgewitter, wobei letzteres wörtlich zu nehmen ist. Ein Donner jagte den nächsten, nur um dann von Regengussähnlichen Rauschanfällen abgelöst zu werden.
Hey Leute - wenn meine geliebten Eltern schon nicht bleiben, weil sie den Krach nicht mehr ertragen konnten, jou - das will schon was heissen!
Ich möchte mich hiermit bei allen Anwesenden für die technischen Verhältnisse aufs Ernsteste entschuldigen und kann nur hoffen, dass es das letzte Konzert in einer kurzen aber für uns ebenfalls recht schmerzhaften Reihe von Unfällen war.
Bis denn!