Eiskult-Festival, Alf an der Mosel
08. Januar 2000 - Fotos folgen!!!
Begegnungen der
angenehmen Art
Das erste Konzert des Jahres, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts - des Jahrtausends gar und wahrlich, ich sage Euch, ganz im Tale´schen Stil musste es etwas besonderes sein, nämlich ein Open Air und das im Januar, der aufgrund seiner metereologischen Bedingungen ja nicht unbedingt für derartige Events geeignet zu sein schien.
"Eiskult" hiess das Treffen und fand statt in Alf an der Mosel, wobei ich in meinem ignoranten Schädel noch bis kurz hinter Koblenz dachte, es handele sich hierbei um den Spitznamen des Veranstalters. Weit gefehlt!
Die Vorabplanungen waren bereits seit Oktober weitestgehend gelaufen und es schien eines dieser gern erlebten Veranstaltungen zu sein, die für uns den schönen Effekt haben, nicht viel Mühen mit sich zu bringen. Weder Schlagzeugklamotten, noch Bassboxen waren mitzubringen, alles war vor Ort vorhanden, eine Pension für uns gemietet, die Wegbeschreibung hervorragend, ebenso die Vor-Ort-Werbung und unsere Stimmung war ebenfalls in luftigen Höhen angelangt, zumal wir nach all den Weihnachtlichen Fressorgien heiss auf Konzerte waren.
Die Jungs, zu denen nunmehr endgültig auch unser Tastenmeister Frank Thiel gehörte, und natürlich meine geliebte Simone, ausserdem unser wimmeliger Hund, teilten uns ohne viel Gewese auf drei Wagen auf, starteten pünktlich gegen vier Uhr in Essen, wobei dem lieben Stefan, der doch ach gar soooo stolz auf seinen schneeweissen Golf ist, prompt die Bedeutung des Wortes "Wegfahrsperre" bewusst geworden war, doch auch dieses Malheur war schnell vergessen, als wir nach knapp zweieinhalb Stunden in Cochem eintrafen.
Cochem ist an und für sich wohl eine sehr schöne kleine Stadt an der Mosel mit regelmässigem Hang zum Unterwasserstehen, doch in der totalen Dunkelheit, die die einsetzende Finsternis dort unverschämterweise mit sich brachte war uns das relativ schnuppe, zumal wir die Tückischkeit der auf die Moselstrasse verteilten Schlaglöcher eher als interessant empfanden.
Frank, der sich in unserem Wagen befand und für die Organisation des Auftritts verantwortlich zeigte, glänzte in erster Linie durch das wunderbar unschuldige Gesicht, als ihm auffiel, dass wir weder eine genaue Anschrift des Veranstaltungsortes, noch die Telefonnummer von Michael Blümer, seines Zeichens Eiskult-Grossorganisator, dabei hatten. Na ja, so gross konnte Alf ja nun nicht sein und es sollte doch möglich sein in der Dunkelheit die bunten Lichter und in der Stille des Moseltals die hämmernden Grooves auszumachen.
Kurz nach der Einfahrt in den überschaulichen Ortskern sah ich auch mit meinen Falkenaugen ein paar bunte Lichterchen zu meiner Rechten und Stefan, dem das Wasser buchstäblich schon bis zur Blasenoberkante reichte, nutzte die Gelegenheit, einen der malerischen alfschen Hauseingänge zu schänden - is ja nicht weiter schlimm, man war hier ja, wie gesagt, hochwassererprobt. Gut - die bunten Lichterchen entpuppten sich bei näherer Betrachtung als Ortsfriedhof und so machten wir uns weiter auf die kurze und bald schon mit Erfolg gekrönte Suche.
Am Schwimmbad von Alf, dem Eiskult-Austragungsort, trafen wir auf die Besatzungen der anderen Wagen, die es sich bereits zwischen malerischen Feuertonnen, wie man sie aus Gangsta-Rap-Bronx-Filmen nur zu gut kennt, gemütlich gemacht.
Schön war es hier! Durch die zahlreichen Feuer war der ganze Platz in eine angenehme Wärme und ein wunderbares Halblicht getaucht, die Bühne war in einem speziellen Bühnen-LKW untergebracht, ein fetter Strahler beleuchtete den Himmel und die Regentropfen, die sich in seinem Licht fingen, übten eine geradezu hypnotische Harmonie auf uns aus.
Wir fühlten uns rundum wohl und als man uns dann per pedes in die nahegelegene Pension brachte und wir auf wirklich nette Zimmer stiessen, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Nach dem üblichen "Wann-wie-wo-warum-und-warum-nicht-treffen-wir-uns" fanden wir uns bis auf Ron und Mr. Threeshoes, die ihren nächtlich sträflich versäumten Schlaf nachzuholen beschlossen hatten, pünktlich zu Beginn der Veranstaltung am Schwimmbad wieder ein und bemerkten in erster Linie zwei Dinge:
erstens war das Publikum durchsetzt von kreischenden und hysterisch in Flaschendrehähnliche Spiele vertieften Vierzehnjährigen und zweitens war es in Alf wohl offensichtlich nicht so üblich als Mann einen Rock zu tragen.
Nachdem anfänglich einige böse Blicke ihre Besitzer gewechselt hatten und die ersten Teenager sturzblau der Gravitation Folge geleistet hatten, lernten wir aber immer mehr Leute dort kennen und schätzen, denn hier herrschte eine wirklich harmonische Atmosphäre und schon bal fühlten wir uns wiederum nahezu heimisch wohl.

Das virtuose Geplänkel, das gegen 21.00 Uhr auf der Bühne begann, entpuppte sich als das erste Stück von "Minn´s Corner", einer Formation, die aus brillianten Instrumentalisten bestand und musikalisch vielleicht am besten mit den sehr sehr sehr schwer zugänglichen Hardcore-Stücken der sehr späten Beatles oder sehr sehr frühen Pink Floyds zu vergleichen war. Na ja, ist leider nichts für meine Ohren, doch die Verliebtheit, mit der die Jungs auf der Bühne ihre Instrumente streichelten, hatte schon was Besonderes an sich und ihr instrumentales Talent war zweifellos beachtlich.
Was uns allen umgehend auffiel war jedoch, dass, was immer die Jungs dort oben auch anstellten, niemand im ungefähr dreihundertköpfigen Besucherpulk auch nur annähernd auf die Idee gekommen wäre, eine wie auch immer geartete Beifallsbekundung abzugeben. Nix Applaus, nix johlen, pfeiffen, nix Bierflaschenwerfen, geschweige denn Tanzen oder Wippen - nix nix halt!
Nun denn, gegen 22.30 Uhr begannen dann fünf Skater unter dem klanvollen Namen "Raskob Rails" ihr zumeist aus HardCore und Crossover bestehendes Programm und - hey - die Jungs hatten Spass!
Es war geradezu mitreissend, wieviel Freude die Band aus Kinderbeuren aufbringen konnte und, wer mich kennt, weiss, dass sie damit bei mir alle Trümpfe in der Hand hatten. Okay, das mittlerweile eingetroffene Duo Ronastian hatte zwar einige Probleme mit der Groove-Sektion, doch war es einfach schön, den "Raskob Rails" zuzuschauen.
Was uns auch hier wiederum auffiel, war, dass wiederum nix mit Klatschen usw. und bald schon gingen die ersten unheilschwangeren Befürchtungen auf die Reise, dass uns jenes Schicksal vielleicht auch ereilen könnte.
Um ungefähr halb zwölf war es dann soweit. Wir holten den verschobenen Soundcheck nach, tauschten einige aufmunterne Blicke und begannen unser auf ungefähr 90 Minuten angesetztes Set mit dem neuen Song "Shelter From The Storm" und arbeiteten uns durch das minutiös ausgearbeitete Programm mit Spass an der Musik, vergassen die einfach mörderische Bühnenlautstärke und nach spätestens einer halben Stunde stand es definitiv fest:
DER DORTMUNDEFFEKT!!!!!
Zur Erklärung: bei sämtlichen Konzerten, dei wir bisher in und um Dortmund gegeben haben, geschah es, dass wir und mit annäherns orgastischen Inbrunst ins Zeug schmissen, die Grooves fühlten, lebten, die Harmonien weinten und unsere Seelen in die Arrangements legten, um dann am Ende einen Klatscher aus der vierundzwanzigsten Reihe links hinten zu bekommen. Oh, mein Gott - das kann weh tun und doch - nein - hier war es etwas anderes, vielleicht war es hier ja gar nicht üblich zu klatschen, so wie in Irland, wo man seine Klatscher wohlgemeint nach Ende der Auftritte mit brachialem Schmackes auf die Schulter bekam verbunden mit aus dichten Whiskeynebel gehauchten Lobhudelungen. Keine Ahnung!

Natürlich passieren immer wieder Dinge, die einem den Spass versauen könnten, so schmiss irgendein Heini seine Böller, die er aufgrund totaler Überalkoholi- oder Unterhirnisierung wohl Silvester nicht mehr in seiner Tasche hatte finden können, dieselben in die Menge, was zumindest bei unserem Hundi, der seine Kracherphobie schon seit dem Jahreswechsel nicht mehr los wurde, zu ganz bemerkenswerten Angstreaktionen und der Tatsache führte, dass meine Simone sich das ganze Konzert aus sicherer Entfernung anschauen musste - na ja, hätte nicht sein müssen!

Nun denn, wir spielten ungefähr sechzig Minuten und ich war schon kurz davor, meine Hoffnungen schwinden zu lassen, als irgendein Funke übersprang und der Abend - besser gesagt der frühe Morgen - doch noch in einer Party endete. Hey Leute, wir hatten Freude, spielten Songs, die wir eigentlich nie wieder spielen wollten, kramten "Johnny B." und "Don´t You" aus unsere verstaubten Coverkiste, lieferten eine bemerkenswerte Version von "51st State" und auch unsere Songs erreichten Erfolgsgipfel, wie wir sie aus Mülheim oder Kassel kannten. "Hellfire Tourist" hatte den Abend gewonnen und "Idiot" war wie immer der würdige Abschluss eines Konzertes, das uns auch im Nachhinein super viel Spass gemacht hat.

"Alfstock" wäre in vieler Hinsicht ein passendere Bezeichnung für das Festival gewesen, zumal der Schlamm mittlerweile auch hier preiswürdige Knietiefe erreicht hatte, offensichtlich bis auf den Veranstalter selbst nicht ein einziges menschliches Wesen mehr nüchtern zu nennen war und auch die Liebe dort so ganz merkwürdige Kreise zog. Geradezu legendär erwies sich die Wahl zur sogenannten Eiskultprinzessin, deren einzige Kandidatin ebenfalls total doppelblau war und nun völlig überfordert war mit der Aufgabe, irgendetwas zu tun, damit sie zu Recht den Titel tragen dürfe und en nettes Wanderpokälchen mit nach Hause nehmen könne - keine Idee, wieso und warum - auf jeden Fall stand urplötzlich ein ungefähr drei Meter grosser Moselhüne neben ihr und hauchte zum einen hochprozentige Feuerwolgen zum anderen die Bemerkung heraus "Ey Alte, ich fick Dich auffer Pühne dann bissu Eisbrinzzessssin!"

Im Anschluss befreundeten wir uns mit ein paar Leuten dort, wurden von irgendeinem vollbärtigen Halbaffen beim Merchandising beschissen und fielen allesamt total kaputt aber glücklich in unsere weichen Pensionsbetten.
Das Frühstück am nächsten Morgen stand unter dem Sternbild des Katers, war aber trotzdem spassig, zumal wir allesamt rundum glücklich waren mit unserem Besuch im schönen Alf an der Mosel.
Unser Gruss und Dank geht an alle Besucher des Eiskult-Festivals, an Michael Blümer und alle anderen Veranstalter des Konzertes, an den Mister Eiskult 2000 Andreas Josten und die gemütliche Pension seiner Eltern und wir alle hoffen, bald wieder dort auftreten zu können!
Wir sehen uns
Frank Peter

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