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30.Mai 1999, Georg Melches Stadion, Essen

Nie mehr Oberliga!!!

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Nervosität ist so eine Sache, mit der man wohl insbesondere als Musiker vor großen Konzerten leben muß, aber das wimmelnde Gefühl in der Bauchgegend, welches mich bereits vier Tage vor dem Auftritt im Rot-Weiß Stadion ergriffen hatte, war schlicht und ergreifend mörderisch.

Wie würde das Wetter sein, würde man uns mögen, zumindest aber überhaupt beachten, was sollte ich anziehen, würde es wieder das große Organisationschaos geben, wie bei unserem letzten Gastspiel vor dem Stadion, welche Lieder sollten wir spielen? Von Tiefschlafphasen konnte ich nur Tagträumen, ich nervte mein gesamtes Umfeld mit immer wiederkehrenden Beteuerungen, wie saaaaagenhaft ruhig ich doch sei, sprach kaum noch artikulierte Silben und erfuhr eine ganz neue Bedeutung des Wortes Lampenfieber.

Sonntag Morgen 11.00 Uhr trafen sich die Jungs, unsere treuesten Crewmitglieder, unsere Nervositäten und ich uns schließlich im Studio, packten unsere Instrumente, die minutiöse Ablaufplanung sowie alle guten Vorsätze zusammen und zogen an die Hafenstraße, die in brüllender Hitze noch seelenruhig auf die Ereignisse wartete, die der Nachmittag mit sich bringen sollte. Gewitter hatte man angekündigt, doch der blaueste aller blauen Himmel versprach eigentlich vor allem Eines, nämlich gallonenweise Schweiß.

Der überdimensionale Bühnentruck der Fa. Stiftsquelle war bereit, das Mixgenie von TDA Jens Krause, zahlreiche Helfer von Rot-Weiß, Großorganisator in Sachen Bühnensound Christian Wehr, RWE Event Manager Bernd Lehmann - irgendwie waren alle wichtigen Menschen hoch motiviert, anwesend und bereits fleißig am Werkeln. Der Soundcheck verlief reibungslos (Oh oooh!) und um 15.00 Uhr begann der 65 Minütliche Countdown bis zum ersten Kurzauftritt, der ursprünglich auf 16.00 Uhr später auf 16.15 Uhr letztlich auf 16.05 terminiert worden war.

Doch es kam, wie es kommen mußte.

Exakt um 15.55 Uhr Ortszeit beschloß irgendwer in himmlischen Gefilden so etwas wie "Hey, ich habe da eine ganz neue Wetteridee!" und es brach ein apokalyptischer Gewittersturm auf uns, das Stadion und die langsam eintrudelnden Zuschauer herein. Blitze zuckten durch die heraufeilenden Wolken, Donner ließen die Bühne erbeben und mit einem Mal klatschten Milliarden Liter Regenwasser auf uns herab. Heidewitzka - watt´n Scheiß! Doch was soll´s? Schließlich sind wir ja Profis und schon seit Jahren daran gewöhnt, daß es grundsätzlich an den Tagen regnet, an denen wir Open Air Konzerte geben. "Na ja", sagte ich zu den verwirrt dreinschauenden Jungs, "drauf geschissen - das hier ist unser Tag! RWE ist Meister geworden, Tausende von Menschen haben Eintritt bezahlt, laßt uns spielen! Laßt uns so geil spielen, wie nie zu vor!"

Sebastian zählte uns ein, eins, zwo, eins - zwo - drei - vier und - KAWUMM - der Bühnenstrom verabschiedete sich. Licht aus, Ton weg, verzweifelte Technikergesichter, Another Tale im Dunkeln, Opfer der meteorologischen Unverschämtheit, die weiterhin aus allen Rohren Wasser auf unsere Schädel donnern ließ.

Ich bin eigentlich kein Mensch, der so Worte verwendet wie "Hab ich ja gleich gesagt" oder "Siehste!", aber jetzt trat die große Panik auf mein klatschnasses Gesicht. Selbst meine liebe Simone, die sich kackfrech aus dem VIP-Bereich einen, jetzt eh überflüssig gewordenen Sonnenschirm geklaut hatte und sich durch die Fluten zur Bühne gekämpft hatte, konnte mich nicht mehr beruhigen. Für mich stand fest: nix Strom, nix Musik, nix Spaß, nix Stimmung, nix Überleben!

Ich möchte im Namen aller Beteiligten an dieser Stelle, sowohl Jens Krause als auch insbesondere Christian Wehr danken, die mit übermenschlichen Kräften immer wieder zwischen Bühne und Mischpult hin und her schwammen und nach ungefähr 15 Minuten das Wunder vollbracht hatten: es gab Strom! Zwar nur für die Bühne und weniger für das Licht, aber man kann ja nicht Alles haben.

Ich wiederholte mein Stoßgebet, blickte zu Sebastian, der wiederum durch die ganze Runde und wir begannen mit einer TALE´schen Version des Vereinsschlagers "Adiole´". Jau! Die mittlerweile auf ungefähr dreitausend rot-weiße Menschenwesen angewachsene Fanmasse, die aus verständlichen Gründen erst nach dem Spiel gegen Osterfeld die Erlaubnis hatte, den Rasen und dann auch den Konzertvorplatz auf dem Gebiet der ehemaligen Westkurve zu stürmen, stimmte von ihren Plätzen aus mit ein, grölte mit und brach unseren Bann des Lampenfiebers.

Wir setzten mit unserem Lied "Dir RWE", das wir erst zu Saisonbeginn für unseren Verein mit einigen Fans zusammen aufgenommen hatten, noch eins drauf und beendeten diese erste kurze Aufführung mit einem ekstatischen Gefühl der Vorfreude auf den nächsten Block, der eine Viertelstunde nach Spielende auf dem Plan stand.

Als neunzig Minuten später auch die Mannschaft uns allen noch einen weiteren Heimsieg geschenkt hatte, stand fest, daß es jetzt nur noch ein einziges Motto geben konnte: Feiern bis der Doktor kommt!

Wir spielten, worauf immer wir Lust hatten, unsere Songs, RWE-Songs, Cover-Songs die rot-weiße Fangemeinde sang, jubelte, tanzte, schrie und johlte, der Regen zeigte sich mit all seinen feuchtfröhlichen Gesichtern, jeder Blitz erhellte ein wunderbares Bild feiernder Menschen, die Donner gingen im Gitarrengewitter unter und als schließlich die Mannschaft auf der Bühne erschien, war bereits klar, daß es nicht nur für den Verein, für den Vorstand und die Fans ein unvergeßlicher Abend sein würde. Uns traf es gleich doppelt: unsere rot-weiße Hoffnung hatte sich nach häufigem Zittern und Mitfiebern erfüllt und wir hatten die Ehre, in einer großen Familie, diesen Tag mitgestalten zu dürfen.

Schweinegeile Sache das!

Beim letzten Set wurden wir tanzfreudig auf der Bühne von Torwartlegende Frankie Kurt unterstützt und nach dem siebten "Adiole´" und dem vierten "Die Fans von RWE" war klar, daß dies einer der genialsten Momente unserer gesamten Karriere war.

Danke RWE, Gruß und Kuß an alle RWE-Fans in der Welt, Danke an TDA und Christian Wehr, Danke an den Vorstand und insbesondere den Mann, der uns dieses Erlebnis ermöglicht hat: Dank an Nico Schäfer!

NIE MEHR OBERLIGA!

 

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Im Publikum spielten sich herzergreifende Szenen ab, verbilligtes Bier und circa einhundert Mal "Adiole´" taten ihre Wirkung.

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Ja, wir konnten es irgendwie bis zum Ende hin kaum glauben, selbst der liebe Stefan schien vor Freude blind geworden zu sein.

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Der Hammer war, daß trotz fortschreitender Entblößung meiner primären Nahrungsspeicher, das Aufkommen an tanzenden und grölenden Menschen nicht geringer wurde.

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Man glaubt es kaum, aber selbst Sebastian konnte sich angesichts der feiernden Menschenmasse ein kleines, zufriedenes , wenn auch zögerliches Lächeln nicht verkneifen.

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Irgendwo dazwischen der liebe Frank, Sänger der Essener Newcomer Band No I.Q.

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Pierre: gut aussehend, gelassen, gefaßt und mächtig entspannt - beneidenswert!

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Ron geriet in einen sonderbaren und für ihn ganz ungewohnten Rausche der Sinne

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Schade, daß ein solches Ereignis irgendwann auch einmal enden muß - wir hätten ohne Zögern die ganze Nacht durchgespielt.