Zierenberg, 23. Oktober 1999
Ein Hauch von Magie!
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Drei Jahre war es her, dass wir zuletzt der ländlichen Kassler Umgebung einen musikalischen Besuch abgestattet hatten, damals dem Savoy in Schauenburg, einer Discothek mit Live-Bühne und einer annähernd mystisch entspannten Atmosphäre, die uns wunderbare Stunden auf und hinter der Bühne beschert hatte, von denen noch heute in nostalgischen Momenten oder bei Betrachtung des legendären Schauenburg Homevideos (Ausschnitte davon sollen sich laut Aussage unser lieben FriendClub-Chefin Simone auf dem Fan-Video befinden, welches es ab dem 18.12.99 zu kaufen gibt) palavert wird. Viele liebe Menschen, ja gar Freunde haben wir dort gefunden, von denen zumindest zwei hier Erwähnung finden sollen. Zum einen gibt es dort Marco, stets aktivierter und ruheloser aber einfach liebenswerter DJ im Savoy, Kenner wahrlich meisterhafter Musik und selten ohne ein verschmitztes Lächeln unterhalb der langen Haare und oberhalb der Markenzeichenlatzhose zu finden. Ihm statteten wir, die wir aus der Nürnberg - Tortour schlau geworden und bereits am Freitag angereist waren, noch am selbigen Abend im Savoy einen Kurzbesuch ab - kurz deshalb, weil wir die überwiegende Zeit damit zugebracht hatten, halbgaren Hessenrasern ausweichend den Laden überhaupt irgendwie wiederzufinden.
Was wir vorfanden, musste uns einfach erschrecken, zumal in den Savoyschen Hallen, die gut und gerne an die sechs bis achthundert Menschen zu fassen in der Lage sind, sich lediglich ein bis zwei Handvoll Leute tummelten und der liebe Marco in einem Strudel von Lethargie über die in sich zusammenbrechende Live-Szene den Verkauf der Konzertbühne beklagte. Es treibt uns noch immer einen kalten Schauer über den Rücken, dass der Unmut, Gigs zu besuchen, immer weitere Kreise zieht und offensichtlich noch nicht einmal vor Kassel halt macht.
Am Samstag dann nach einer geruhsamen Nacht in einem Gasthof mit Fremdenzimmer, der uns allerdings beim Frühstück unaufhörlich mit geballter Volksmusik die Realitäten des Lebens vor Augen geführt hatte, kehrten wir nach einem Kassler Stadtbummel im Treibhaus ein - jawollja - so müssen Live-Läden aussehen und riechen! Eine einnebelnde mystische Stimmung aus Entspanntheit und Vorfreude auf das bestehende Ereignis durchzog das mehrere Jahrhunderte alte Gemäuer, eine frühere Aufnahmestätte für Aussätzige, wie man uns mitteilte, also wie geschaffen für eine Band wie uns, noch dazu wo wir einen Franzosen dabei zu haben pflegen - Sorry Pierre!
Was uns aber in erster Linie mit unendlich positiver Energie aufpumpte war die Tatsache, in Räumen zu verweilen, deren musikalische Untermalung von Mannix Koch organisiert und aufgelegt wurde. Mannix ist in meinem Empfinden einer der liebenswertesten Geschöpfe, die wir in den Zeiten unseres Schaffens bislang kennengelernt haben, strahlt eine unglaubliche Ruhe aus und hat einen Blick, der auf hypnotische Weise jeglichen Stress und alle Unruhe aus unserem Vorbereitungsgewese nahm und uns mit schlichter Vorfreude auf den Abend durchflutete. Früher noch DJ im Savoy ist er jetzt ins Treibhaus gewechselt und in seiner Liebenswürdigkeit letztlich dafür verantwortlich, dass wir dort die Möglichkeit bekamen, uns zu präsentieren - Triplethanx!
Die Bühne war von unendlichen Grünpflanzen umzäunt und schon bald völlig reibungslos von uns bevölkert und beprobt worden, man servierte uns knoblauchhalitge Kulinarien und als dann auch noch zwei Stunden vor unserem angesetzten Auftritt die ersten Menschen in Tale-Shirts die Hallen betraten, waren wir letztendlich völlig im Zauber des Treibhauses gefangen.
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Das Konzert begann um 22.30 Uhr vor ungefähr einhundert Menschen, die uns mitrissen und einen unvergesslichen Abend bescherten. Wir spielten über zwei Stunden, vergaßen in Sekundenschnelle die räumliche Enge der Bühne und feierten zusammen mit der gröhlenden Menge eine Kasselsche-Talesche Party, die uns vorkam wie eines dieser geliebten Heimspiele in Mülheim, nur mit dem Vorteil, einmal ganz andere Gesichter im Publikum zu sehen.
"Heimat", "Idiot" und "Zurück Ins Licht" waren offensichtlich die Gewinner des Abends, doch jeder Song wurde gefeiert und auf beiden Seiten herrschte zeitweise euphorische Stimmung, so dass wir - was wir ja eigentlich nie mehr tun wollten - mit Herz und Inbrunst gemeinsam die Biene Maja wiederauferstehen liessen!

Was ein Abend!

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